das Studium der Theologie betr. i53
denn müssen wir nicht Griechen und Römer seyn,wenn wir Griechen und Römer lesen? Jedes Buchmuß in seinem Geist gelesen werden, und so auchdas Buch der Bücher, die Bibel; und da dieser inihm offenbar Geist Gottes ist, von Anfangbis zum Ende, der seinen Ton und Inhalt vonder höchsten Höhe bis zur tiefsten Tiefe stimmet,so können wir wohl nichts widersinnigeres thun,als Gottes Schriften im Geiste des Satanslesen , d. i. die älteste Weisheit mit dem jün g-stcn Dünkel, himmlische Einfalt mit neckendemModcwitz verbrämen. Lese man so die SchriftenHomers, Plato's, die Traditionen von Py-thagoras, den Geschichtschreiber Hcrodot undwen man wolle; cs ist der nämliche Mißbrauch,der nur bei diesen Büchern mehr auffällt, weil siedie ältesten und die von allen andern Büchern ver-schiedensten sind, da sie Sprache Gottes redenund nicht der Menschen. Hier ist's und bleibt'sgewiß: „Die Weisheit Gottes kommt
nicht in eine boshafte Seele, und woh-net nicht in einem dem Laster unterwor-fenen Menschen. Der Geist der ZuchtfliehetBetrug, undweichet fern von Nar-ren ge danken; er wird gefunden von de-nen, die ihn nicht versuchen, er erscheintdenen, die ihn suchen in Hcrzcnsein-falt. In ihr, der Weisheit Gottes, istein verständiger Geist, heilig, einge-boren, vielfach, fein, beweglich, auf-richtig, unbefleckt, offenbar, unverletz-bar, scharf, hurtig, wohlthätig, mensch-lich, fest, standhaft, sicher: er kann al-