das Studium der Theologie bctr. 117
dieser Lieder ein Wink gegeben ist, wann undwie sic entstanden sind? Nutzen Sie, mein Freund,diese Winke, und lesen diese, eigentlich davidi.sche, Psalmen, zuerst allein, gleichsam in dieSeele ihres Urhebers und ihrer Veranlassung zurück :die Unterscheidung wird Ihnen wohl thuu.*) L ieb-lichkeit ist der Charakter und Ton der meisten;David setzt (2 Sam. 22, 2.) dies selbst zum Eha«rakter seiner Lieder.**) Seine Psalmen sind ihmso werth, daß er sie nicht auf Siege, auf Glanz,auf Vocthcile bezieht, die er Israel verschafft habe;sondern auf seine Lieder. Durch sie hofft er imHerzen seines Volks, so wie auf ihrer Zunge, sichselbst zu überleben, und ihrem Andenken angenehmzu bleiben. Es fetzt dies voraus, was auch sehrvermuthlich ist: daß seine Lieder schon damals nichtblos im Tempel gesungen worden, sondern zumTheil im Gedacht n iß Israels lebten; ich ver-stehe dies nicht nur von gottesdienstlichen, sondernauch von andern Liedern, wie wir aus der Elegieauf Jonathan sehen. Da also Gesang die Licb-lingsneigung des großen Königs war; da wir sehen,
*) Eine sehr fleißige und reichhaltige Anleitunghierzu ist Hasse Jdiognomik Davids,Jena i?8st.
**) Ich setze nämlich voraus, daß der Anfang die-ses Liedes von David selbst sey und nicht von ei-nem andern; welches letztere zu behaupten wirgar keinen Grund haben. Ein solcher Anfang desGesanges ist der Begeisterung des Orients nichtfremde und kommt t, Mos. Lst. allein schon zwei«mal vor.