bas Studium der Theologie bctr. rc>5
ist, zu schaffen, als ob's wäre; so dünkt mich,ist bei keiner Gattung Schriften das einzelneLesen und Erwägen noihwendiger, als bei ihnen.Wie sich ein Traum, auch der göttlichste Traum,nach der Seele und der Welt von Umstanden des-sen , dem er wird, richtet; wie er jedesmal diezartesten Blumen seines Gartens wählet, denKranz, den er ihm Vorhalten will, zu flechten undoft mit den geheimsten Saften seines Herzens ihmsein Bild mahlet; wie alles, was von der Leiden-schaft, der Phantasie, dem Druck unter schlechtenZeiten, dem Vorgefühl besserer Dinge abhangt,auf's höchste individuell ist, und nicht vonSubjekt zu Subjekt gezogen und gezerrt werdenmuß, um den ursprünglichen Sinn der Redeoder Ahnung zu erhalten: so beruht auch, kannman mit Petrus Worten sagen, keine Weissagungauf eigenmächtiger, willkürlicher, fremder Deu-tung; jeder der heiligen Gottesmänner sprach vomheiligen Geist getrieben, als solcher, einzeln.Selbst die Theile eines Propheten darf man nichtschlechtweg in einander werfen, zu einander herüberziehen u. f. Sie können in so verschiedenen Zei-ten, unter so andern Veranlassungen und Umstan-den gestellet seyn, daß man ihnen Geist und Kraftnimmt, wenn man sie fremde deutet. Kurz, einDemagog muß einen einzelnen Kreis des Volkshaben, zu dem er spricht, und eine eigene Seelehaben, aus der er redet; nimmt man ihm beides,so ist sein jetziger Zweck zu wirken verloren.
Mich dünkt, niemand hindert sich im rechtenGesichtspunkt, Propheten zu lesen, mehr, als der