mern: bei den Türken ists die verstümmellste Fabel:die Christen haben sie ganz, und die Freidenker,nur um dagegen zu schreiben. Ich will den Besitzdieser Religionen gar nicht vergleichen: einigen hatsie nur von fern einen Stoß in ihre Denkart gege-ben ; Juden und Christen allein sinds, die sich zuihr bekennen. Beide haben über sie viel Gutes ge-sagt; daß aber auch aus beiden nicht sehr vielFremdes, Unnützes, Träumendes und Falsches ge-sagt sey, wird kein aufrichtiger, belesner Jude oderChrist laugnen. Wer kennet nicht das Viele soweit her geholte, Mystische, Kindische, Cabbalisti-sche der Rabbinen? —
Doch ich bleibe nur beim dogmatischen Erkla-rungsgeiste der Christen. Jede gesunde Kritik inder ganzen Welt sagts, daß, um ein Stück derLiteratur zu verstehen und auszulegen, man sich jain den Geist seines Verfassers, seines Publikums,seiner Nation und wenigstens in den Geist diesesseines Stücks setzen müsse: und die Hermeneutikder Christen sagt ebenfalls! — daß man ja nichtein fremdes System, eine vorausgefaßte Hypothesehineinbringen müsse, und die Hermeneutik sagtsebenfalls! — daß ein uraltes, orientalisches, poe-tisches, National- und Popularstück, was lebenderGesang der Tradition seyn sollte, nicht wie ein ge-richtliches Testament müsse behandelt werden, das— auch das muß jeder gesunde Exeget zugeben —und nun?
Und nun, um aller Vernunft und Redlichkeitund Ehrliebe willen! wie kann man ein poetisches