Aelteste Urkunde des Menschengeschlechts, rb'r
Ecdwürmcr, Menschen sind wir, denen ein sohoher Erbsitz, wie Gott zu seyn, in Frag' und Ant-wort nicht ward, die auf einem schwimmenden Son-nenstaub um diese große Sonne schiffen, und wis-sen nicht, wie wir dahin, wie Staub und Sonnedahingckommen? die also auch nicht von einemdrollichtcn Menschen - und Engelsideal in andernWelten zu sprechen, noch darüber zu verantwortenhaben; sondern fragen, was sie sind? wie sic's ge-worden ? Bist du, Leser, mein so treuer Erdcge-fährte und Mcnschenbruder, so setzen wir uns son-der Furcht neben der zitternden Flamme der Cheru-bim nieder und fragen: wo ist das Vaterland derMenschheit? worauf hat er Ansprüche? was zu hof-fen hat er? was hat er verloren? —
Ohne Bibel wissen wir von einem sogenanntenStande der Unschuld nichts! der Stand der Natur,oder der Thierstand, das Vaterland unsrer Weisen,ist jenem in Nichts ähnlich. Eine Grille, ein ab-gezogener Dunst der Abstraktion, der sich selbstwiderspricht. *)
Also müssest du die Menschheit, wie sie ist,nehmen: wohl aber, da ist sie, wie sie ist, undgut, wie du sagest. Ein Thier des Feldes; undbist ein Thier des Feldes. Von Erde genommen,bist Erde und wirst zur Erde. In deinem Wür-mer- Schaaf- oder Wolfskleide den Göttern gleich,
*) Shastesburi, ReimaruZ Und Mendelssohn habendies herrliche Abstrakt schon sehr entkleidet»Herders Werke z. Nel. u, Lheol. VI» L