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Religion und Theologie Theil 6 (1827) Aelteste Urkunde des Menschengeschlechts ; 2
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Aclteste Urkunde

des ersten Frevels färbte sie bloß die Wangen? dasganze nackte Geschöpf übcrfloß Blut.

Wir sind so fern aus der Natur heraus, ha-ben so viel falsche Scham und unächte Dingeschamerregend gemacht, daß wir die wahre ursprüng-liche Empfindung dieser Art, die liebenswürdigeWachterin der Unschuld, der Tugenden lezte undzur Rückkehr die erste, kaum mehr kennen. InSchuld empfangen sind unsere Kinder, schämen sichbei ersten Versuchen schon im Geist, wenn sie sichkörperlich noch nicht schämen können. Und wie un-sere Erziehung und Kunstwclt die Wahrheit mitGeschwätz und die Menschenliebe eben durch ihrebitterste Feindin, die falsche Höflichkeit, ersetzt d. i.verdrungen hat: zso soll auch die Scham von ihrerelenden Statthalterin, der Hülle und Schminke,der Zweideutigkeit und Buhlerei, dem Sträubenund Erröthen, ersetzt werden: wo Gott für sey!Weder körperlich noch geistig sind also über dieseEmpfindung genug tiefe und entscheidende Erfah-rungen gemacht worden, und sie ist doch, möchteich sagen, Ucbergang, Klammer und Grenze zwi-schen Gut und Böse, Laster und Tugend, sowohlwenn man abweicht, als wenn man zurückkommt:ein Gottesanker in unserer Natur.

Die Unschuld weiß von keiner Scham, dieFrechheit auch von reiner. *) Sie steht in der

*) Im Arabischen ists Sprichwort: sprich nicht mirdem Narren, er schämt sich nicht, s. klrpen.6ram. x. zor. In Salomo und Sirach ist vie-