des Menschengeschlechts. 119
als dieser Kindcsname des zu prüfenden Gehorsams.Bisher hals Eva recht gut gewußt; nun aber bogdie Schlange eine kleine neue Nebenbedeutung daranauf ihrem Lehrstuhle. Könnts nicht auch heißen:„ein Baum, der Erkenntniß Gutes und Böses gc-„be?" Ja freilich! eben deshalb frißt ihn die klugeSchlange, von ihm nascht sie, was sie weiß; erist ihr Quelle der Weisheit. Eine so leichte Ver-bindung zweier Bedeutungen, die der Wind zusam-men wehte, das der Baum also hieß, und daß ebendie kluge Schlange von ihm fraß, war der Ueber-gang zur Lust, zum Zweifel, zur Sünde, zumMißtrauen, zur Gotteslästerung, zum Falle.
„Das vernünftige, hohe göttliche Wesen, der„Mensch, ist unschuldig und Gott gleich. Er will„immer das Gute: er kann nicht sündigen, ohne„daß er irre" — das heißt, er kann nicht irren,ohne daß er irre; aber wie leicht irret er, wenn ereinmal irren will, wenn er auf der Bahn ist ? Wieelend dürfen die Scheingründe seyn, daß das hohe,unbctrügliche Geschöpf sich aufs elendeste tausche?Ein nichts, das Zusammenwehen zweier Umstande,ein Name, der unschuldigste, bisher verstandensteName, und ein Schlangenbiß, spinnen welche Fol-gen ! welche Reihen! „Weil die Schlange zungero-„chen frißt, kann ich zum Gott werden, wenn ich„davon esse!" Siche die Logik der Selbstverfüh-rung, die bündigen analogischen Schlußfolgen derTäuscherci ! Aus Honig Gift, ein Name aus Got-tes Munde, Pfeil gegen ihn und Anlaß, sein Ge-bot zu übertreten! —
Tröste dich, zagendes Bruderherz, Wenns dich