Siehe da den Baum der Erkcnntniß Gutes undBöses.
Warum stand also der Baum da? Weil der'Mensch ohne ihn ein Thier gewesen wäre, ein Men-schcnthicr im Paradiese. „Iß von allen Baumen„Im Garten! folge den Sinnen, thue, was dir be-liebt, sey ohne Gebot," was hieße das anders,als „Mensch sei) Vieh!" Versuchts mie euren Kin-dern , versagt ihnen nichts, gebietet ihnen nichts,thut, was ihnen gelüstet; Speise den Raben erzie-het ihr, nicht Gottes Kinder.
Wenn Gott dem Menschen (ich will mich derwesenreichen Sprache unserer Philosophie bedienen)Verstand, Wille», Sinne, Triebe gab: mußte ersie nicht beschäftigen, bilden, üben, wie er den Leibübte und nährte? Der inwendige Mensch ist deredlere Mensch. Wenn Gott nun den Leib durchSpeise und Uebung, die Zunge durch Sprache, dieSinne durch Kenntniß nährte: stehe so konntenHerz und Verstaub nicht leer bleiben, oder sie schos-sen in wildes Gewirrt und eigenmächtiges Unkraut.
Er bog sie zu sich: der Zweig sollte am Baumbleiben, die Frucht am Zweige. Gott hatte demMenschen Alles gegeben, und dieser Baum sollteden Menschen ewig erinnern, wer ihm alles gege-ben habe, daß er über kein Staubkorn eigenmäch-tiger Herr sey. Offenbar lag auf diesem Wege demMenschen jede edelste Pflicht und Weisheit: seinAuge lernte ins Unsichtbare schauen, sein Herz amUnsichtbaren hangen und ihn lieben. Sein Freundstand hinter der Wand, und sah durch die Büsche,