und Homilien. A45
Aber, mein Gott! das hoffe ich nicht von dei-ner Gnade. Da ich das Wort der Religion jeder-zeit mit Redlichkeit, mit offnem vollem Herzen undmit den besten Absichten verkündigt« — eine innereUeberzeugung der Seele laßt sich nicht verkennen —so habe auch ich, m. A., immer wenigstens so weitgute Spuren davon gehabt, als Menschen sehen kön-nen. Mit einem Vergnügen, das unabhängig istvon Stolz, von Eitelkeit auf meine Talente, odergar von Eigennutz, welche Leidenschaften, wenn sieim Gewebe meiner Natur waren, ich ja auf andreArt befriedigen könnte, nein, m. Z., mit einemredlichen Vergnügen habe ich gesehen, daß eine guteAnzahl von Personen beiderlei Geschlechtes, Stan-des und Alters, sich gern und oft und willig zumeinen Predigten eingefunden, mir aufmerksam zu-gehörl haben; und warum sollte ich also nicht vonder Gnade Gottes hoffen, daß ein redlich gemeintesWort, das aus dem Herzen kam, nicht blos offeneund willige Ohren, sondern auch eben solche Her-zen gefunden habe? Ich habe ja gesehen, wie mei-ne Stimme des Unterrichts, auch bei Seelen vonverschiedener Denkart, Stand und Alter oft sicht-baren Eindruck gemacht, wie manche allmählig einenGeschmack an Wahrheiten fassen gelernt, an die sievielleicht sonst in ihrem Leben nicht gedacht, undwie andre wenigstens eine äußerliche Ehrerbietunggegen die Religion bekommen, die sie voraus witzigverachtet hatten. Ich habe ja gesehen, daß auchselbst aus dem Alter, in dem man sonst am wenig-sten der ernsthaften Stimme der Wahrheit Gehörgiebt, aus dem Alter der Jugend, viele sich willigund ordentlich zu nur eingesunden, lieber ihren Ver-