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Religion und Theologie Theil 4 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 2
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Seite
311
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und Ho milien.

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dachte? Unmöglich! Denken ist das Wesen dermenschlichen Seele. Eine Seele, die nicht mit sichselbst denkt, hat ihre Vernunft, die Freiheit ihresWillens, ihr Wesen verloren, sie ist nicht mehrmenschliche Seele: sie ist ein Unding. In dem Au-genblicke also, da ein Wesen außer mir den Fadenmeiner Gedanken zerreißt, und mir unmittelbare Ge-danken zwischenschiebt, die nicht meine Gedankensind, von denen ich nichts weiß, und die ich nichtzu verantworten habe, in dem Augenblicke höre ichauf, ein Mensch zu scyn, denn das Wesen meinerSeele ist aufgehoben. Und wenn nun selbst Gottdies nur auf einen Augenblick thäte, so hatte er soein Wunder gethan, als hatte er eine ganze mensch-liche Seele vernichtet, und wenn er mich wiederselbst denken laßt, eine ganz neue menschliche Seelegeschaffen welch ein Widerspruch!

Nein! das sehe ich und ein jeder ja aus derBibel, daß jeder Schriftsteller so gedacht hat, alser, nach der Fähigkeit seines Geistes, nach der Rich-tung und Proportion seiner Seelenkraste, nach derMischung seines Temperamentes, ja selbst nach sei-nen erworbenen Kenntnissen und Geschicklichkeit inder Schreibart hat denken können und denken wol-len. Der heilige Johannes schreibt, wie Johan-nes, weich, empfindsam, gefühlvoll, nach einer Reihevon Gedanken, die seine Lieblingsgedanken, und nacheiner Reihe von Ausdrücken, die seine Licblingsaus-drücke sind. Der heilige Paulus schreibt feurig,rasch, ein Gedanke stürzt über den andern: ein Lieb-haber von Allegorien, kurz, ein bekehrter Pharisäer.Jcsaias schreibt wie Jesajas, erhaben, prächtig,