Christliche Reden und Homilien. 277
Güte. Und je mehr sie die falsche Weisheit, die^ angcmalte, erlogene Güte und Heiligkeit entlarv-ten , je mehr sie in dem Bessern selbst Muster wur-den , und das Glück hatten, das Gepräge desselbenin menschlichen Seelen nachzulassen und zu verewi-gen , desto daurender und herzlicher lebte ihr Geist,nicht nur im Andenken der Ihrigen, sondern auchin ihren Gesinnun^n, in Wirkungen und Thaten:denn das reine Gute ist von unsterblicher Natur;es ist wie Gott, die Wahrheit und Güte selbst; esist, wie das Licht der Sonne, unvergänglich, ewigund höchst fruchtbar in seinen Folgen.
Der Augenblick des Scheidens, den wir in die-sem Denkmale Jesu Christi feiern, stellet uns seindSeele im wichtigsten Momente seines Lebens dar,was er über Gott und sein Schicksal, über das Men-schengeschlecht, über Vergangenheit und Zukunft dachteund sich ihr großmüthig hingab. Die Vergangenheitward ihm Dank; er nahm das Brod und Krachs,den Kelch und dankte; dankte Gott für die Lauf-bahn des Lebens, die er ihm gegeben, für das Werk,das er ihm beschicken hatte: das Heilige von ihm
den Menschen klar zu machen, in seiner Güte undWeisheit ihn den Menschen zu offenbaren, durchdiese Wahrheiten als Religion gefaßt, ewiges Lebenseinem Geschäft einzuhauchen, und ihnen durch Nach-ahmung alles Edelsten und Liebenswürdigen in ih-rem eignen Herzen und Verstände eine unversiegbareQuelle eigner Freuden, eignen Genusses zu öffnen.Mit Freuden hob er den Kelch und sprach: dies istdas neue Testament, eine neue Verfassung mensch-licher Herzen und Gewissen, die durch meinen Tod