Christliche Reden und Homilien. 219
das Licht der Sonne zu sehen vergönnet ward, daswirschen; wir freuen uns, daß er an unsermSchicksale Thcil nehmen soll, und deshalb in uns-rer Gestalt, in einer edlen, der menschlichenNatur erscheinet, die das Bild Gottes tragt, diezur edelsten Wirksamkeit, zu Leiden und Freuden,wie wir, gemacht ist. Wir wünschen ihm Glück,daß er auf der Stufe der Wesen erschein«, die nichtnur Wohlthatcn genießen, sondern auch die Quelledieser Wohlthaten erkennen, sich im Geiste, ja so-gar in der Nachahmung zu ihr erheben und mitDanksagung, Liebe und Freude ihrDaseyn genießensoll. Ja, da die väterliche Vorsehung den Ankömm-ling vom Anfänge seines Daseyns an das empfin-dende , mitfühlende Herz seiner Eltern, seinerFreunde und Angehörigen geknüpft und gleichsamihr beiderseitiges Schicksal zu Einem gemacht hat,so werden zugleich die Gemüthcr Andrer in einenähere Beziehung und Regung gesetzt, ihn mit derFreude, mit dem Danke, mit der Ehrerbietung auf-zunehmen, mit denen sie die Urheber seines irdischenLebens arischen und lieben. Und da der Weg desmenschlichen Lebens sowohl in seiner Glückseligkeitals in seinen Gefahren in allen Stände der Mensch-heit derselbe ist, weil jeder eigentlich nur dadurchglücklich wird, was er selbst ist, nicht wozu ihnsein Rang, sein Stand, seine Geburt von außengemacht haben: so klopft unsre Brust höher, wennwir ihm auf eben diesen Weg eigener Bestrebungen,der mit seinen Freuden und seiner Mühe noch un-bekannt und dunkel vor ihm lieget, menschlichesherzliches Glück wünschen. Wir wünschen ihm Glück,daß er werde, wozu ihn die Gottheit bildete, daß