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Religion und Theologie Theil 4 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 2
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76
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Christliche Reden

ben: er machte ihn zur Summe seiner edlen Ge-danken, er kann also in keinem Tritte gedankenlosund ohne Zweck seyn. Unser Beruf istS nicht, indas Buch Gottes zu spähen, daß wir mit Sorgenauf unsrer Stirn die ferne Zukunft unsres Schick-sals zur Gegenwart machen wollen; aber hohe Pflichtists, die Gedanken Gottes zu verstehen, die er unsdurch alles, was uns zustößt, selbst saget. DieSprache unsres Schicksals ist die geheimste Gottes-sprache für jedes einzelne Menschcnhcrz: da nimmter ihn allein und sagt ihm, was er keinem andernzu sagen hatte, was kein anderer verstehen konnteund durste, was aber dieser Mensch, wenn nochetwas Lauterkeit und Wahrheit in ihm ist, bei jedemTritt lebendig und innig fühlet. Gott redet nicht,wie ein Mensch redet, Wahngedanken, Meinungen,unbestimmte Sylben und Worte; er spricht Sachedurch Sache, That durch That, Wahrheit durch Be-gebenheit und Wahrheit. Kein Schritt unsres Le-bens, kein gerathcncr oder mißrathencr Erfolg, keinGutes und Uebel, für daS wir können oder nichtkönnen, ist ohne diesen Sinn, ohne diese tiefe Be-ziehung auf unser Herz und seine Belehrung undBildung. Er weckt uns alle Morgen, erweckt uns das Ohr, daß wir hören sollen, wieein Jünger.

Der Lebensgeist, der uns bildete, ist immerum uns, in uns, sieht und kennt uns, versteht un-sre Gedanken von fern, merkt auf alle unsre Wege.Er leitet sie, wo wirs nicht sehen, verflicht undentwickelt sie, wo wirs nicht merken, spricht durchsie auf unsre Gedanken, auf die geheimFen Triebe