Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 4 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 2
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

und Ho Milien,

7

seine Bildung sorgte, sorgt es für seinen Gang desLebens, denn dieser ist nur eine Fortsetzung undEntwicklung jenes ersten Gewebes. Jeder Menschist für seine Bestimmung gemacht und kragt denSaamen zu ihr in sich: er tragt in sich Wehr undWaffen gegen alles Uebel, das ihm begegnen soll,und Sinne und Werkzeuge zum Genuß alles Gu-ten, das sein und keines andern zu werden bestimmtist. Gott rief ihm, Gott gab ihm Zeit, Ort, Ge-burtsstunde, Eltern, Stand und Schicksal: keinMensch kanns verrücken, kein Mensch sich selbstwählen. Er hat ihm Raum gemacht, zu scyn, undwird ihm Raum machen, was er seyn soll, zu wer-den. Jeder Tritt seines Ganges ist eine Zahl imBuch Gottes, jede Verwickelung und Auflösung ei-ner seiner köstlichen/ verborgnen Gottesgedanken.

O Gott! könnten wir sie zahlen! Mehr alsSterne am Himmel, mehr als Sandes am Meer,selbst in einem einzigen kurzen und armen Men-schenleben. Wir zahlen und schlummern ein undschlafen den Schlaf des Todes, und nur erst, wennwir aufwachen werden, werden wir ganz bei dir.sei-n, und die Summe der Gedanken sehen, die duüber uns hattest.

Welche Wahrheit, Gewißheit und Ruhe giebtuns dies verschlossene Buch auf dem Weg unsersLebens. Es ist Gottes Weg und nicht der unsrige:ein gewisser, ewiger Weg, wenn wir an seiner Handbleiben, der in der Tiefe und im Abgrunde nichtenden kann. Er schrieb ihn auf fein Buch, undwird gewiß kein leeres Gcwirre daran gezeichnet ha->