Herr, bist unser Vater: wir sind Thon, du bistunser Töpfer, und wir sind alle deiner Hände Werk.Wenn wir auf deiner Wurzel bleiben, großer Baumdes Lebens, ist uns wohl; wenn wir in deinemSaft blühen, was kann uns schaden? Erforschemich, Gott, und erfahre, wie ichs meine, undsiehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite michauf ewigem Wege.
Unser Psalm, meine Zuhörer, gibt uns zu die-sem fortgehenden Vertrauen, zu dieser Zuversichtauf Gott im ganzen Gange unsres Lebens den über-zeugendsten Grund an. Er stellt alle unsre Lebens-lage und die Schicksale derselben nur als die Folgeund ganze Summe vor, von dem, was Gott beiseiner Bildung über dies ihm köstliche liebe Geschöpfdachte. Er ward gleichsam Rechenmeister, und daer den ganzen Keim des Ungebildeten durchsah unddie ganze Reihe seiner noch nngebvrnen Gedanken,Worte, Schritte und Handlungen überblickte, da erdas Geschöpf bei jedem Punkte seines Daseyns mitandern gleickssam verrcchnete, und die Bahn seinesLebens, wie sie sich mit jeder andern Bahn begeg-nen, verschlingen und auflescn sollte, zog und ver-folgte: da er dies alles wußte und übersah, so kamnun die Summe heraus, die wir das menschlicheSchicksal nennen, die von der tiefsten Eigenheit ei-nes Menschen, und von der sonderbaren einzelnenBestimmtheit seines Lebens zum Leben andrer ab-hangt. Uns ist diese Rechenkunst göttlicher Gedan-ken freilich zu hoch und unbegreiflich; sie soll esaber auch scyn, und unser Psalm sagt es selbst imfünften Verse. Wir haben zu ihr keinen Schlüssel,eben weil wir den Keim nicht übersehen, aus de«.