35u Herders Leben.
„In so sah er aus, der unsterbliche Herder,der imnschcnsreundliche Weise, der eben so viel Ge-nialität des Herzens als des Geistes besaß! diesemännlich schönen Züge waren cs, die durch ihrenhoben Adel, durch ihre imponircnde und doch zu-gleich liebevoll begeisternde Würde, die Erhabenheit,die Kraft und die unerschöpfliche Güte seiner Seeleverkündeten! Zu diesen Zügen sah man mit freu-diger Ehrfurcht auf/ wenn er in den kleinen Gc-sellschastszirkel trat, der sich oft in seinem Hauseversammelte. Mit welcher leichten, srobcn Unbe-fangenheit gab er sich jeder Wendung hin, welchedie Unterhaltung nahm und welchen großen Ehätak-tcr wußte er ihr gleichwohl zu verleihen, durch dieBlitze des Genies, die er mitten im Scherzen undLachen versendete, Nie verließ man seinen Zirkel,ohne Geist und Herz erweitert, veredelt zu fühlenund mit Enthusiasmus an die großen Stunden zu-rückzudenken. An diesen Zügen wird aber auch inder Folgezeit jeder Deutsche mit bewunderndemStaunen hangen, der es weiß, der im Stande,ist, es ganz zu fassen, was Herder seiner Nationwar! Wie Manchsaltigc Facher des menschlichenWissens umfaßte sein Niesengeist! Und jedes, mit demec sich beschäftigte, erleuchtete sein Buck; für jedesstellte er neue Ansichten auf, in jedem machte erwichtige Entdeckungen. Der Dichter Und der Phi-losoph, der Altcrthuinsfcrschcr und der Psycholog,der Theolog uüd der Politiker, wie der Sprachgrüb-lcr und der Kunstrichter, lernten aus seinen Schrif-t.n die erhabensten Zwecke ihres Geschäftes kennen:denn von ihm galt in vollem Maase, was Popevon Homer sagt: „Was sein Blick bestraltc, ward