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Zur Philosophie und Geschichte Theil 16 (1822) Herders Leben
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Herders Leben

Braut, doppelt interessant, durch ihre Eigenschaftenund ihre Neigung zu einem so vortrefflichenManne."

Wir lassen hier Frau von Herder forterzählen:solche Verhältnisse können nur aus dem innig füh-lenden Herzen der Gattin, nur von lo zarter weib-licher Hand, mit Wahrheit geschildert liurdtn! —

„Man fand in Herders Umgang," sagt diese,„so viel Unterhaltendes und Geistvolles, daß unserkleiner Kreis — Merk, mein Schwager und Ma-demoiselle Navanell sich verabredeten, ihm seinenAufenthalt in Darmstadt so angenehm wie möglichzu machen; oder vielmehr uns selbst den schönstenGenuß zu bereiten. Wir sahen ihn also fast jedenNachmittag in unfern Wohnungen, in kleinen Ge-sellschaften oder auf den angenehmen Spaziergängender nahen Wälder um Darmstadt. Statt daß wirihn unterhalten wollten, unterhielt er uns auf diemanchsaltigste geistvolleste Weise. Sein Urtheil,sein Gefühl war überall das richtige, verbesserteund erhöhte das unsrige. Aus Klopstocks Messias,die schönste», menschlichen Scenen, aus seinenOden, aus Kleist, feinem und meinem Lieblings-Dichter, aus den Minnesängern, las er »ns vor.Unvergeßlich ist mir die Darmstädter Fasanerie, woer in der Stille des Waldes, in der feierlichen Ein-samkeit des Ortes, Klopstocks Ode: „Als ich un-ter Menschen noch war," mit seiner feclen-vollen Stimme aus dem Gedächtniß dcklamirte! —In Klopstock und Kleist haben auch unsre Seelensich gefunden! "