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Herders Leben
Verhältnisse in Eutin, Reise mitdem Prinzen, und Aufenthalt inStraßburg, vom Frühjahr 1770bis zum April 1771.
Mil der Ankunft in Eutin, begann für Her-der» ein noch unbekanntes, seinem Charakter nichtzusagendes, obgleich damals schon in sehr gelauter-ten Formen dort bestandenes Verhaltniß, des Hof-lcbcns! — Vom Herzog und der Herzogin», einergeborncn Prinzessin» von Darmstadt, wurde er mitAchtung und Zutrauen ausgenommen. Der fürst-lichen Mutter lag die geistige und moralische Aus-bildung ihres Sohnes sehr am Herzen. Zu Errei-chung dieses schönen Zweckes hatte sie Herder» sehrbald ihr ganzes Vertrauen geschenkt, und nachdemdie Lehrstunden mit dem Prinzen angefangcn hatten,wuchs die Liebe zu dem neuen Lehrer bey den fürst-lichen Eltern sowohl, als bey dem Prinzen, mitjedem Lage. Allein, es hatten sich nun einmalschon höfische Mißgriffe und Fehler in der Behand-lung des Prinzen cingcschlichen, die kaum mehr zubeseitigen waren.
Zwar wußte Herder, durch liebevolles Beneh-men, die hervorstechendsten Neigungen dcS Prinzensehr bald zu entdecken, der nicht gemeinen Geist,entschiedenes Talent für Mathematik und Zeichen-kunst, richtiges Urtheil, aber auch Vorliebe fürtiefsinnige Spekulationen, mit einem Hang zu reli-giöser und moralischer Skrupulosität und Wohlge-