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Herders Leben
ihre Kräfte zu überschätzen nur gar zu leicht geneigtsind und in ihrem genialischen Dünkel, der vollenSpannkraft nicht zu bedürfen wähnen; aber auchvom sich selbst mißtrauenden und darum jede Sehneschraffcr spannenden, nur mittelmäßigen Kopf, nichtselten überflügelt werden! —
Mil Wahrheit kann daher auch von Herdergesagt werden, was Tacitus im Bilde Agrikola's soschön ausdrückt: „Ein stolzer und hoher Geist strebteer nach Schönheit und Glanz erhabenen und großenRuhmes, heftiger als behutsam. Bald mildertenVernunft und Zeit, und nur das Schwerste in derWeisheit blieb zurück — das Maas." —
„Was verliert man nicht in gewissen Jahrendurch Leidenschaft, Leichtsinn und Hinreißung in dieLaufbahn des blinden Zufalls!" Diesen AusrufHerders, sollte jeder aufblühende junge Mann sichrecht oft wiederhole», um strenger gegen sich selbstin Verfolgung eines hoch gesteckten, festen Lebenszielszu seyn! Er kann dabei) nur gewinnen, und erspartsich das bittere Gefühl zu später Reue! —
Dis Freunde und Gönner Herders boten Allesauf, um ihn zu bewegen, von seiner vorhabendcnReise abzustehen und unter ihnen zu bleiben; als sieaber sahen, daß sein Entschluß fest und unerschütter-lich stehe, so vereinigten sie sich, um ihn gemein-schaftlich Zu unterstützen. Harlknoch war darunterder erste, der alles mit treuer Thätlgkeil leitete.
Am 5 . May 1769 bat Herder bei) dem Rathvon Riga um Entlassung von seinen Aemtern underhielt, nach mehrmalig vergeblichen Versuchen ihn