in Königsberg von 1762 bis 1764. 23
über beschränkten Jüngling machen mußte, der nunder Erfüllung seiner schönste» Wünsche entgegengieng: laßt sich nur dann recht wahr und leb-
haft fühlen, wenn man selbst sich mehr oder wenigerin ähnlichen Jugend-Lagen befunden hat. — Jekleiner der Maasstab ist, den man aus seinem häus-lichen Leben mit herausbringt in die Welt, jegrößer und gigantischer crsch inen die Gegenstände diedas physische und moralische Auge des Neulingszuerst erblickt; —- und nur erst nach oft wiederholterrubigcr Vergleichung wird endlich das wohlorganisirteAug und Herz den richtigen Maasstab zu findenwrffen, nach welchem der Weise das Treiben
und Schaffen der sogenannten großen Welt zu be-trachten und zu beurlheile» hat.
Dem Gedächtnis; Herders waren die StraßenKönigsbergs, seine Kirchen, das OolleZium kri-cksrrcnanuirl, die Häuser seiner Freunde und Be-kannten , die großen öffentlichen Gebäude, der Hasen,die Plätze und Gärten, noch in später» Jahrenso lebendig gegenwärtig, als ob er sie gestern erstgesehen hätte.
Schon vor seinem Abgang nach Königsberghatte er, unter der Leitung seines neuen Lehrers, desRussischen Regiments-Ehirurgus, angcfgngen, sichauf die Kräuterkunde zu legen; jetzt, in Königs-berg, sollte es auch rasch an das Studium der Chi-rurgie gehen. Sein Befreier und Wohllhäter fübrkcihn daher bald nach ihrer Ankunft zu einer anatomischenSektion; allein Herder sank hier vor Graußen inOhnmacht! — Dieser natürliche Zufall entschied für