Herders Leben
rö
andcrung in ihm bemerkt haben, „er blieb immerder stille, eingezogene, vorsichtige und gut hmidlendeJüngling."
Herder selbst, wenn er auf seine Jugend-geschichte zu sprechen kam, ermahnte niemals dieserBegebenheit, auch fand sich Trescho's Antwort nichtunter Herders nachgelassenen Papieren. Wenn aberauch der junge Herder jenes Schreiben wirklich ver-faßt, und die Antwort Trescho's unerwiedcrt ge-lassen hat, so laßt sich beydes leicht erklären.Der geistliche Stand war dem Jüngling in seinemlieben Willamov , als der ehrwürdigste undwohlthätigste erschienen; auch auf Trescho truger diese tiefe Verehrung als Geistlichen über,und durch eine seiner mystisch-frommen Predigten,zu unbekannten Gefühlen aufgeregt, hoffte diejunge feurige Seele sich inniger mit dem ewigenQuell der Ruhe und Weisheit zu vereinigen, undin ihm den weisesten Nathgeber für die innerstenAngelegenheiten feiner Seele zu finden. Allein Tonund Jnnhalt der Antwort, die nicht bekannt ge-worden ist, mögen den Jüngling nicht mebr ange-sprochen haben; sein durch die hohe Einfachheit derbiblischen Sprache langst gerührtes Her; und seindurch das Studium der Alten damals schon gebildeterGeschmack, konnte wahrscheinlich jene Antwortnicht mehr genießbar finden : daher sein Schweigen ! —und je mehr Herder das Betragen und die Gesin-nungen Trescho's gegen ihn bemerken und bcurtheilenkonnte, je mehr mußte er sich von einem Mannezurückziehen, der seinen Geist in Fesseln zu haltenbemüht war, und der nie sein wahrer, ihn