392 IH. Von schonen Wissenschaften
geselligen Mittheilung, befördernd? Haben und cul-tiviren wir unsre Geniüthskrafte zu nichts Andcrm?
„Schöne Kunst ist eine Kunst, sofern sic zugleichNatur zu sezn schein:. Oie Natur war schön, wennsie zugleich als Kunst aus sähe; und die Kunstkann nur schön genannt werden, wenn wir uns be-wusst sind, sie sey Kunst, und sie uns doch als Na-tur aussieht." *) Und doch arbeitet in allen Künsten,die fortschreitend wirken, der Künstler darauf, daßman seine Kunst vergesse; er siebe: die Augenblickedieses Vergessens als sein höchstes Lob, der Kunst-erfreute für die Momente des höchsten Genusses an.Eine Natur, die zugleich als Kunst „aussieht,"und eine Kunst, die eines Theils nur sofern schöneKunst ist, als sie Natur zu seyn „scheint,"andern Theils nur sofern wir uns „bewußt sind,"sie sey Kunst; klären diese witzigen Gegensätze, dieschon oft,.dazu schöner gesagt sind, **) philosophischetwas aus? Machen sie das Zusammentreffen undden Unterschied der Natur und Kunst verständlich?
„Schön ist das, was in der bloßen Beur-
') S. 177.
'") Lessing z. B. schrieb in das Stammbuch einesSchauspielers:
Wo Kunst sich in Natur verwandelt,
Da hat Natur wie Kunst gehandelt,Vortrefflich in ein Stammbuch; in seiner Drama-turgie begnügte sich Lessing nicht mit der An-thilese, geschweige, daß er sie zum Prinzipiumder Kunst gemacht hätte.