2. Wissenschaften und Künste federneinen Beurtheilcr, der die Wissenschaft, die Kunstgenau kennet, und wie dies Werk zu ihnen siehe,Partheylos schätzen kann. In echten Wissenschaftengelten nur Axiome, klare Deduktionen, Erfahrungen,Schlüße; Postulats, die sich nicht durch sich selbsterweisen, verpflichten niemand. Zumulhungen, der-gleichen anzunehmen, zernichten das Amt der Kritikvöllig, und setzen an ihre Stelle einen literarischenPapismus. Bei den Künsten der Zeichnungwie Key der Wissenschaft liegen Werke dem klarstenunsrer Sinne vor Augen, der mittelst angegebnerGründe jeden Zwist entscheidet. In beiden urthcilenur der Meister, der Kenner; der Halbkenncr, derEcschmackströdler schweige.
3 . Dem Genie bücke sich die Kritik; auch
mit seinen Fehlern gebührt ihm Hochachtung: denn
das feinste Urtheil als solches steht unter dem Genie;dies erfinde oder stelle dar, es entdecke oder bereiteEntdeckung vor. Wer nicht beleben kann, soll auchnicht tobten. Eben den licbcralsten, den Genie-ahn-lichsten Kritiker zeiget es an, wenn er das Neue,das Schöne und Gute, anszeichnend ins Licht stellt,und wenn er kann, vervollkommn die Tadclsuchtdagegen, die blos an Fehlern hangt und Federn ab-lieset, sie vcrräth eine kleinliche Seele. Ein Jahr-buch , das in jeder Wissenschaft und Kunst nur dasNeue, Große und Schöne zum Nacheifer und wei-terem Verfolg ansstellle, wäre ein Werk, dem Ge-nius heilig, aufmunternd und nützlich.
Nur daß, wie Lessing oft bemerkt hat, dieseHochachtung keine dumme Bewunderung werde! Die-
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