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V 0 n K u n s r
2. Poesie menschlicher Empfindung.
Daß die Poesie dir' Empfindungen ausdrnckt,mit den Empfindungen nicht spielen dürfe, sagt schonihr Name. Der Empfindung ist jedes Wort, einAccent, ein Buck heilig; zuwider ist ihr nichtsmehr, als ein Spiel mit sich, wo sie es innigmeynt; ihr Bild mißgebraucht zu einer Earnevals-Maske.
Wirkliche Empfindung erzeugte die erste Poesiedieser Gattung, wie die naivherzlichen Grsangc allerNaturvölker zeigen ; ihre Empfindung nahm zu Hülfe,was die Natur ihnen Wahrhaftes nur geben konnte,Bilder, Accente, Tone, Gcbehrden. Die Spracheder Töne, sofern sie ä'eidcnschaft ausdrücken, kennetdurchaus keine Heuchelei); sie sagt, was sic zu sa-gen hat jeder fühlenden Brust mit der ausdrückcnd-sten Bedeutung. Eben so innig verknüpfen sich mitihr Worte und Gebchrden; unwillkührlich ruft siesolche auf, sie zu begleiten; Wesen der Natur,norhwcndige Harmonie ists, die alle bindet. Wider-licher wird nichts empfunden, als wo dieß Band,widersinnig geflochten, sich in ein schwirrendes Ge-tön eitler Fade» auflös't, wo der Gesang lahmtund lügt, wo die Empfindung spielt und heuchelt.
Wie ernst meynten es die ältesten Hvmncn undEhöre! Treu der Empfindung spricht auf der grie-chischen Bühne, was da spricht. Pindars Gesängeselbst, so ausschweifende Spiele der Einbildungs-kraft sie zu sepn scheinen, so stark und heilig
sprechen.