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Briefe zu Beförderung
Man sagt: „die Geschichte erzähle Begeben-heiten," und ist beinah geneigt, diese für so un-willkührlich, ja für so unerklarbar anzuschcn, wieman in den dunkelsten Jabrhunderten die Naturbe-gebenheiten nicht ansah, sondern anstaunte. Ein er-regter Krieg oder Aufruhr gilt der gemeinen Ge-schichte wie ein Unzewitter, wie ein Erdbeben; dieihn erregten, werden als Geißel der Gottheit, alsmächtige Zauberer betrachtet; und damit gnug!
Eine Geschichte dieser Art kann die klügsteoder die stupideste werden, nachdem der Sinnihres Verfassers war.
Die stupideste wird sie, wenn sie in einemsogenannt-großen und göttlichen Mann alles be-wundert, und keine seiner Unternehmungen an einRichtmaaß menschlicher Vernunft zu bringen sich er-kühnet. Manche morgenländische Geschichte vonNadir-Schah, Timur - Long , u. f. sind sogeschrieben; wir lesen eine lob - jauchzende Epostee,mit einer dürren oder abscheulichen Thatcnrcihe fröh-lich durchwehet.
Europa hat an diesem morgenlandischen Ge-schmack vielen Antheil genommen, nicht etwa nurin den Zeiten der Kreuzzüge, sondern auch in den "meisten Lebensbeschreihunqen einzelner Helden, inder Geschichte ganzer Sekten, Familien und F a-m i l i en k r i e g e. Man staunt, wenn man dieAndacht und Anhänglichkeit des Schriftstellers allseinen verehrten Gegenstand wahrnimmt, und kannnichts anders sagen, als: „er hat aus dem Becher
der Betäubung getrunken; Wein der Dämonen hatihm die Sinne benebelt." :