des vergangenen Jahrhunderts. 48b
Seele diese Kraft neu zu erzeugender Bilder; siestützt sich gern auf ihre altere Freunde. Der Greisspricht am liebsten von Jugendzeiten, in deren Erin-nerung er wieder Jüngling wird; die Wiederholungderselben ist ihm ein Traum des Wirkens, einunterhaltendes siar ursuts. Da nun diese ältlichenRcproductionen das Rohe der Jugend abgelegt ha-ben; (langst entschüttelten dies die Jahre;) und daskörperliche Bild jetzt in einer geistigen Gestalt gleich-sam verklärt da stehet; so wächst die Täuschung.Wir würden uns, wir würden die Gegenstände
unsrer jugendlichen Neigung oft nicht kennen, wennwir sie in ihrer ächten ersten Gestalt sehen sollten.Wir nennen dies Poesie des Lebens, die,
mit Maas gebraucht, zu unserm Glück betra-gen, im Uebermaas aber uns zu süßlichen Thorenmachen kann, wie jedes andre Blendwerk.
5 . Wenn die Phantasie ihrer Natur nacheine so vergeistende Zauberin ist, indem siedas Schwere sinken laßt, und das Leichte hebet, in-dem sie der Mühe vergißt, und nur der Anmuth
gedenket: so macht sie natürlich in reinen Herzeneinem Himmel Raum, von welchem man dieHölle scheidet. Jene Helle Gestalten, die auf demWege unsres Lebens uns schuldlos - erfreuend dieHand boten, mahlt die Phantasie als Engel undHeilige; das Wilde dagegen, das auch seineSchwere abgelegt hat, schwebt als ein schwarzerSchatte vorüber. Wie der Mensch zwischen Fremdeund Leid, zwischen guter und böser Erinnrung ein-hergcht, so fliegt rück- und vorwärts die Einbil-dungskraft zwischen zwei) Extremen, Licht und Dun-