Wissenschaftliche Ereignisse u. Charaktere
sielen die Schuppen grundloser Mcynungen, unbibli-scher Traditionen und Dogmen dem Äuge von selbstweg; denn das Gebäude dieser steht allein auf Kir-chen-historischem, oft sehr dunkelm, nicht aber aufbiblischem Grunde. Betroffen sah Man zuleKeinander an: „wcSbalb haben wir also disputirt?und Galle, Eifer, Tinte, Mühe, Studien, Nacht-wachen, Zeit, Scharfsinn verschwendet? Diese Fragestehet ja auf Nichts; auf Mißverstand und Wort-mißbrauch barbarischer Jahrhunderte beruhet jeneMeinung; die klare Einsicht des Wockvcrstandes hatsie, wie Licht die Schatten vertrieben. Und jeNeandern Subtilitaten sind sie von Menschen zu ent-scheiden ? Offenbar liegen sie über unfern Verstandhinaus; nie hatten sie sollen auf die Bahn gebrachtwerden. Ueber sie wollten wir streiten?" Sodachte man endlich am Ende des achtzehnten Jahr-hunderts , und las manche scharfsinnige DiscussionenLeibnitzens über Geheimnisse und Dogmen von aller-lei) Art, z. B. Dreyeiniqkeit, Gegenwart im Abend-mahl, Erbsünde, Gnade, freyen Willen, Ewigkeitder Höllcnstrasen u. f. zwar mit größester Bewun-derung seines Scharfsinns, aber auch mit der prü-fenden Frage: „wohin man auf diesen Spatziergan-gen disputirender Vernunft denn gelange? und wasman mit solchen Rapieren erfechte?" Selbst einTheil der trefflichen Theodicee Leibnitzens ist nichtfrey von diesen Lustkampfen. Die Schrift war ge-gen den Fechter Bayle geschrieben, der sie aber nichterlebte, mithin sich diesen Federungen nicht stellenkonnte.
Da die theologische Gelehrsamkeit mit demJahrhundert sehr gesunken, und die dunkeln Zei-