i m N o r d> 35 1 .
andern nachgestellet ward, andre sich gutwillig dahinneigten. Die protestantische Kirche schien aus ihrenPfeilern zu wanken.
Nun hatte Brandenburg sich seit der Reforma-tion in Ansehung der Religionen eben so weise alsgerecht betragen. Durch Agrikola hatte ein mildererProtestantismus, als in manchen andern Gegendendort an den Ufern der Spree und Oder Platz ge-griffen; Reformirte und Lutherische wohnten, unterbestimmten Gesetzen des Staats, meistentheils ruhigneben einander. Selbst auf der Universität Königs-berg in Preußen milderten sich die harten Streitig-keiten, seitdem sie unter Brandenburg stand; durchAufnahme der Flüchtlinge aus Frankreich hakte Frie-drich Wilhelm vollends das Panier der Duldung inseinen Landern gepflanzet. Daher schon unter ihmso manche Versuche zu Vereinigung beyder Kirchen;daher auch in Sachen und Schriften der Religionder bessere Ton, die mildere Stimme derGeistlichen, worin die Französischen Reformirtcntreffliche Beyspiele gaben. Daher die willige Auf-nahme so mancher, anderswo Gedruckten und Ver-folgten in den Brandenburgischen Landen. WennChursachsen seines Speners müde war, nahmBerlin ihn auf; wenn Thomasius Leipzig verlassenmußte, durfte er in Halle lehren. August HermannFranke, Petersen, Arnold, selbst Dippelund so viel andre, ihrer Meynungen wegen Gekränkte,fanden in den Brandenburgischen Landen Schutz oderBeförderung; die neugestiftete Universität Halle zeich-nete sich in allen Fakultäten durch Popularität undFreymüthigkeit, auch in neuen Gedanken und Ent-würfen aus. Diesem Geist der Duldung und fort,