des vergangenen Jahrhunderts. 119
wie der Unbegriff werden : denn beyde sind Reste derBarbacey, den nützlichsten Standen verächtlich.
Einen Lehrstand gibts; dieser soll lehren,nicht glanzen.
St. Pierre schrieb einen Vorschlag zu Ver-besserung des Klerus in Frankreich, dernatürlich nicht befolgt ward. Ware ers, so hatteniemand auch nur den Gedanken fassen können, einenso eingerichtchen Lehrstand zu vertilgen.
Das Wesen der Religion setzt St. Pierre inwoh lth ätige Güte. „Nur zwey Pflichten schreibtsie vor, 1) ge recht zu seyn , d. i. niemanden Un-recht zu thun, ohne das Unrecht zu vergüten; 2)wohlzuthun: denn der Wvhlthätigen sey das Para-dies/''
Einer Unterweisung hiezu,. meynt er, haktendie Menschen Zeitlebens nöthig; die Jugend,um die Beweggründe beyder Pflichten zu lernen; derreifere Mensch, um im Einzelnen aufmerksam ge-macht zu werden auf die Arten von Unrecht, dieman täglich sich anthut, und auf die Uehel, diedaher folgen, damit man bestimmt diese vermeiden,jene vergüten lerne. Auch zu allen den Dicnstfertig-kciten willig gemacht zu werden, die Menschen einan-der erweisen und sich, dadurch, ein Paradies in dieserund jener Welt bereiten , bedürfe man des Lehrstan-des. Denn nach seinem Alter müsse Jeder diesenUnterricht empfangen und in seiner Ausübungfortleben. So allein lebe man glücklich.
Hiezu müßten, meynt St. Pierre, die Se-minarien eingerichtet werden , damit in ihnen diekünftigen Lehrer selbst das Wesentliche der Re-ligion lernen , gerecht und gütig zu seyn.