ilv I. Begebenheiten und Charaktere
Das Schicksal theilt die Gaben weislich aus:Dem Fieiße gibt es Brod und Deck' und Haus,
Den Armen Kraft, den Schwachen Ehrenplätze.
Ein dankbar Herz ist nur des Weisen Theil;
Stand, Wollust, Gold sind oft für Lhorheit feil;
O theurer Lohn für gar zu schlechte Schätze!
Stellt dich das Glück auf einen Marmorgrund,Wird Quaal und Noch dir nur an Andern kund,
So schau geneigr, nicht stolz, auf sie herunter.
Kehrt sich das Glück, so ist ein einfach Luch,
Dem der sich lebt, für andre gut genug;
Ihn macht sein Geist, ein Kleid die Lhoren munter.
Bezwinge die zu starke Leidenschaft,
Und lege dann die da gesparte KraftDem Opfer zu, das du gebückt entzündest,
Wenn du den Geist, der alle Welten füllt,
Sich immer neu gestaltet und enthüllt,
Im Menschen Ihn, in ihm am schönsten findest.
Gib jeden Tag der Welt den Abschied hin,
So wird der Rest dir immer zum GewinnUnd keine Zerr sich ungebraucht verlieren.
Aufs Leben sey, nicht auf den Lod bedacht;
Der Ralh gewußt, als er dich hergebracht,
Hat Rath genug, dich weiterhin zu führen.
W i t t h o f *).
(Von Herder hie und da verbessert und abgekürzt).
') Stach der ersten Ausgabe seiner Gedichte, Dort-mund i? 55 . In der lehren (Akademische Ge-schichte LH. 2. S. 112.) ist das Stück sehr, dochnicht zu seinem Borcheil verändert.