des vergangenen Jahrhunderts. rvg
Gelehrtheit ist stets schön, nicht immer gutGut ist sie, wenn sie Gutem Vorschub thut;
Ihr höchster Ruhm hangt am gemeinen Nutzen.
Was blos ergötzt, laß für die Schwachen stehn.
Ist an sich selbst gleich jede Wahrheit schön;
Ein Lanzer nur mag sich beständig putzen.
Gebrauchen, die des Haufens EitelkeitSich ndthig macht, entziehe Kraft und Zeit;
Wen könnte doch sein roher Ladel schänden?
Sein stärkstes Lob ist viel zu mangelhaft;
Des Menschen Zeit und seine LebenskraftSind zu gering', um sie noch zu verschwenden.
Dir selbst geneigt, sey dem Gewissen treu,
Den Obern hold, doch ohne Schmeichelei),
Und lobest du, so sey's nie unbedächtlich;
Sey hold der Kunst, noch mehr des Weisen Freund,Dem Laster gram, sonst keines Menschen Feind,
Nur sey dir Der, der Wahrheit drückt, verächtlich.
Verachte selbst des Frevlers Raunen nicht;Doch wo dein Herz für deine Lhaten spricht,
Da werde nie dem Neide niederträchtig.
Die Menschheit ist noch nicht so gut bestellt,
Daß ächt Verdienst auch allgemein gefällt;
Was Jeder rühmt, ist allemal verdächtig.
Wer meist gesund, bey Armuth nicht im Bann,Sich selbst besitzt und Narren dulden kann,
Ist so beglückt, als Menschen werden können.
Wer Weisheit rühmt und gleichwohl mehr begehrt,Ist ihr noch fremd' und ihrer auch nicht werth.
Wer wird bey Brod den Lhieren Spreu mißgönnen?