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Zur Philosophie und Geschichte Theil 9 (1820) Adrastea ; 1
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104
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104 I. Begebenheiten und Charaktere

man Adam Bernds eigne Lebensbeschreibung*),Hallers Tagebuch, und so viele Tag- undStundenbücher geprüfter Kinder Gottes, dieSatan bald hier, bald dort zupfte. Denke man andie Zweifel - oder Angst-Zustände seines selbst-eignenLebens. Oft lag uns ein Strohhalm im Wege,über den wir nicht hinaus konnten; ein Bächleindünkte uns der Ganges. Oder unser Rücken warvon Glas, daß wir uns nirgend anlehnen konnten.Plötzliche Nothumstände allein sind vermö-gend, den kranken Weichling aus seinem unseligenMißtrauen zu wecken; nur durch Thun kann derMensch von der unglücklichen Nichtsthuerey, die manVernünfteln, Grübeln, Zweifeln nennt, befreyetwerden. Im Geschäft selbst sind ewige Zweifler diebeschwerlichsten Geschöpfe; in der Unterweisung zumGeschäft sollte man sie ebenfalls meiden. Eine leereWiege zu wiegen, hält der Landmann für unglück-bringend; gewiß ist es Unglück, seinen eignen undfremde leere Köpfe ewig zu wiegen. Nur vorneh-men, reichen, müßigen Menschengestalten ists er-laubt, von dem, was Wahr und auch Nichtwahrseyn möchte, zwiefach zu träumen, nachdem sie sichauf die Eine oder die andre Seite legen. Nur Bu-ridans Esel ists erlaubt, zwischen zwey gleich-rei-chen und blühenden Wiesen als ein philosophischerZweifler für Hunger zu sterben.

Gehe man die Lebensgeschichte der berühmtestenZweifler durch; wenn cs nicht scherzhafte Gleichgül-tige wie Montag ne, oder muntre Disputanten wie

Leipzig 1738.