S o p h r o n.
r?6
fsrtpflanzen will, so daß aus dem Lehrling ein Ge-sell, ein Altgesell, ein Meister werde u. f. Do obersolcher Zunftlchrlingc doch in einer Schule immerdie wenigsten sind, so bleibts für die meisten einheiliger Spruch: nicht der Schule lernen, sonderndem Leben.
Was heißt dem Leben lernen? Offenbar,was nützlich im Leben ist, was angewandt werdenkann, wodurch wir besser leben lernen. Da aberdas Leben so viel und mancherlei) bedarf, da derAnwendungen und Nutzbarkeiten so viele, und gewißnicht alle unmittelbar sind, indem eine Kenntniß aufdie andre bauen, der andern forthelfcn muß: so wärecs sehr thöricht, bey allem was ich lerne zu fragen:wozu kann ichs anwcndcn? was wird mirs bringenoder helfen? Lhor, überstehst du dein Leben undweißt alle Umstande vorher, in die du kommen kannst?Weißt du, was in jedem Geschäft, in jeder Minutebrauchbar oder entbehrlich sep? Wenn du Geldsammlest, fragst du, oder weißt du bestimmt voraus,wozu du es anwcnden, wenn du eine Sprache lernst,weißt du, mit wem du die Sprache sprechen werdest?Also führt der Ausdruck: „dem Leben lernen" dar-auf zurück, daß man sich selbst in allen seinen An-lagen und Fähigkeiten, in Seelen - und Leibeskräftenzu dem bilde, was Leben heißt; an sich, so weit csdie Gelegenheit, Zeit, Umstande «erstatten, nichtsroh, nichts ungebildet lasse, sondern dahin arbeite,daß man ein ganz gesunder Mensch fürs Leben undfür eine uns angemeßne Wirksamkeit im Leben werde.Hierdurch bekommt also jeder seine eigne Lektion zulernen, die für ihn und für keinen andern gehöret.Wie einer seine Seelenkrafte, seine Organe,