S o p h r o n.
23 §,
nur das, was er sagt, sondern wie ers sagt, d. i.wie ers wohl oder übel verstanden denkt, ist Lehre,d. i. es weckt Gedanken und geht in die Seele desLernenden über. Die große Ordnung der lebendenNatur verknüpft alle Wesen durch einen stillen Ueber-gang lebendiger Nachbildung. Wie wir bey einemWahnsinnigen wahnsinnig werden, bey einem Stam-melnden , ohne daß wirs wissen, mitstammeln ler-nen, wie liebliche Worte, liebliche Geberden undGedanken, von denen, mit denen wir leben, in unsübergehen, so auch die Gedankenwcise des Lehrersbcym Vortrag der Wissenschaft, gleichsam die Me-lodie seiner Seele. Wehe dem, der schlechte Ge-sänge, oder gute Gesänge schlecht singet; er verdirbtdamit das Organ und die Gedankcnform seines Lehr-lings, dem es oft besser wäre, er hatte nichts, alsdieses also gelcrnct. Wer sich begnügen.wollte, eSsind ja doch Schalle, Töne, oder im Felde der Wis-senschaft, es sind ja doch Wissenschaften, die erlernte; der erinnere sich, daß auch die Thiere Schällelhervorbringcn, manche aber sehr unangenehme Schälleund Töne, und daß jede Wissenschaft und jede Kunstnur Ein Maximum der guten Darstellung habe, daszu ihr gehöret, das keiner andern Wissenschaft oderKunst, als höchst ungeschickt, anzupassen ist, in ihrselbst aber ein unerläßliches Gesez ist. Allenthalbenist die Wahrheit nur Eine, und diese Wahrheit hatallenthalben nur Eine Form, die ihr an diesem Ortdie einzige, die Beste ist; wie cs zu zwey Punktennur Eine gerade Linie gibt, und jede Kreislinie, siesey groß oder klein, vier rechte Winkel einschlicßt.Recht lernen und recht lehren bestimmen also einan-der wie entgegengesetzte Winkel; durch fremden Fleiß