S o p h r o n.
189
edle Sache, und zwar viel wahrer und inniger aus,als alle jene Idolcnausdrücke vom Tempel des Apol-lo, der Musen und Grazien nur bezeichnen mögen.
Geist Gottes hieß bekanntcrmaaßen vonden ältesten Zeiten her bewegende mächtigeNatuckraft, jene lebendige Regung, dieden Geschöpfen Leben mittheilt, die durch Wirksam-keit ihr Leben erhalt, ihre Kräfte stärkt und fördert.Geist GotteS hieß ihnen in menschlichen Seelenjede edelste Kraft, wenn sie sich in vollem Ge-nuß ihres Daseyns auf die vorzüglichste Weise äus-sert. Geist Gottes hieß ihnen endlich jene fort-währende Tendenz des Menfchen, immer voll-kommner zu werden, Heller im Verstände, reiner imHerzen, kräftiger im Willen, von innerm Vorwurffrey, der Gottheit nahe, ihr verwandt, nach ihr ge-bildet. Die schönste Sprüche und Aufmunterungenhierüber stehen in einem vom Geist Gottes geschrie-benen Buch, der Bibel, die uns viel angenehmerund lockender waren, wenn wir sie ohne Eckel undVorurtheil, in dem Geist, in dem sie geschriebensind, hell und aufrichtig läsen. Es sey mir ver-gönnt, eine kurze Anwendung hievon auf die Schu-len zu machen, und den alten Ausdruck „Schulenseyen Werkstätten des Geistes Gottes, eines Hei-ligen Geistes," nicht Mr zu rechtfertigen, sondernchristlichen Schulen als den eigensten und angemes-sensten zu vindiciren.
I. WaS vom Fleisch geboren wird, das istFleisch; das heißt, nicht nur es ist schwach und un-kräftig, sondern auch es gehet dem sinnlichen Genußdem Zeitvertreib und Zeitvcrderb, angenommenenGewohnheiten, Instinkten und Begierden nach;