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Zur Philosophie und Geschichte Theil 12 (1820) Sophron
Entstehung
Seite
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S o p h r o n.

des gereichte, war sie ihnen meistens weit angeneh-mer, als die verhaßte reine Wahrheit. Sie sahenalles mit Mönchsaugcn an; die ganze Menschheiterschien ihnen nur im Gesichtskreis ihres Klosters,daher sie auch durch ihre Schriften nicht Menschen,Bürger, Staatsmänner, sondern höchstens Kloster-geistliche ziehen konnten, die wie sie selbst, predigten,beteten, gereimte lateinische Berse und trockne odererkünstelte Chroniken schrieben. Was würden Grie-chen und Römer sagen, wenn sie üufstündcn undviele unsrer gepriesenen schönen Werke lasen l ja waswürden wir selbst dazu sagen, wenn sie, ins Latein,oder ins Griechische übersetzt, als alte Handschriftenuns in die Hände sielen! Schon die Uebersitzung indiese alten Sprachen ist ein gefährlicher Probierstein,der das falsche Gold unbestimmter Gedanken, aus-schweifender Bilder, ungefügter Perioden, leerer Wie-derholungen in seinem ganzen Betrüge zeiget. Manvergleiche doch die alten Gesetze, die Befehle der Kai-ser, die Anmahnungen und Reden der Feldherrenund Philosophen, die Erzählungen der Geschichte mitunfern Gesetzen und Edicten, mit unfern Abhand-lungen , Predigten und Acten; es müßte ein Blöd-sinniger seyn, der nicht den Unterschied fühlte. Wo-mit wir Seiten füllen, das faßten sie in wenigeWorte; worüber wir oft Bücher schreiben, düs glaub-ten sie am besten dadurch zu ehren, daß sie keineSylbe davon erwähnten. Wiederum bemerken siesowohl in der Geschichte als in der Sittenlchre undPoesie, Züge des Charakters der Menschen, die unsbey veränderten Sitten meistens verborgen bleibenund lehren uns die menschliche Seele, den Gang derLeidenschaften, die Grundsätze des Betragens ihrer