S o p h r o n.
LS
Jurist und der Theolog, der Posamentirer und Tisch-ler sollen, obwohl in ihren verschiedenen Äradcn, gc-scheidte Menschen seyn, und so mögen sie werden,wad sie wollen. Sie werden, was sie werden, gutseyn, und damit gnug.
Auch ihr also, muntre, liebe Jünglinge, seydmunter auf der Bahn Eures Fleißes und Lernens;ihr lernt und wißt nicht wozu? glaubt aber, es wirdEuch nie gereuen; denn Ihr scharst damit EurenVerstand, ihr nähret Eure Wißbegierde, ihr erwerbteuch einen Reichthum von Sachen, von Kenntnissender Natur, der Wissenschaft, des gemeinen Lebens,ihr gewöhnt euch zu richtigen Begriffen, zu einemgesetzten ordentlichen Vortrage, zu einer Regel undRichtschnur des Denkens und Handelns auf euer gan-zes Leben. Erkennt die Wohlthat, die euch erzeigtwird, daß Arbeiten abgewechselt, daß sic eurer Fas-sungskraft, eurer Lust, euerm Kreise naher gebrachtwerden; daß man das Unnöthige Hinweggethan, da-mit euch das Nothwendige, Schöne, Nützliche destomehr reize. Ich ermahne Euch und bin gewiß, daßmeine Ermahnung eure Bestimmung/ euer Mitgefühlhabe. Fast nie habe ich auch bey den ncueingerich-teten Arbeiten eine Klasse verlassen, wo ich nicht mitFreude auf den oder jenen gesehen, dieses oder dessenFleiß und Munterkeit bemerkt, oder ein gutes Zeug-niß von diesem oder dem andern gehört hatte. Flei-ßige Schüler ermuntern den Lehrer, ihre Lust zulernen, ist sein süßester Lohn. Wohlan also, cs zeigeauch jetzt jeder Edle unter Euch, was er gelernt, waser gefaßt hat. Das Examen ist eine Rennbahn desRuhms, ein Schauplatz des Fleißes. Der Tragebleibt zurück, der Unfleißige verstummt. Der muntre,
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