376 II. Briefe zu Beförderung
Jsts genug, mich in der Regierung der VölkerHebel zu bedmircn, die wir heilen, denen wir zuvor-kommen können? Lasset Stände, lasset Menschen inallen Aemkern und Bedienungen human und gerecht,groß, gut und billig denken; der Regent kann nichtanders, als mit und gleich ihnen denken. Denn nuraus einzelnen Theilen besteht das Ganze; verbessernsich dir Theile, und halten zusammen; das Ganzewird gut, ehe mans merket.
Tadeln Sie mir also nicht meine Philosophen,auch bei ihren kränklichen Klagen, oder bei ihren über-spannten Wünschen. Ist nicht der kränkliche Theildes Körpers der Witterung am meisten empfindlich?Der Hygrometer muß zart, das Quecksilber muß ineiner gläsernen Röhre verschlossen seyn, wenn sie ihrAmt thun sollen. Andernkhcils muß wer andre er-muntern , entflammen will, selbst warm und munterseyn. Der kältere Beobachter oder Geschäftsmannwird ihn schon zurcchtwcisen.
Welch ein Unglückspcophct sind Sie aber, daßSie das barbarische Kriegs- und Ervberungssystcmfür die unerschütterliche Grundfeste Europa's halten?Das hat der große König nicht gemeynt, so manchenEinfall er sich zumal in jünger» Jahren über denguten Abbt St. Pierre erlaubte. Ware diese trau-rige Behauptung wahr, was könnte man anders sa-gen, als: zum Wohl der Menschheit gehe das un-glückliche Europa unter! Hat cs nicht lange genugsich selbst und die Welt beunruhigt? Triefen nichtalle Lander vom Blut derer, die es erschlug, vomSchweiß derer, die es als Sklaven quälte? Aufden Tafeln der Natur stehet das große Gesetz der