II. Briefe zu Beförderung
Wenn wir uns demnach auf Europa bezir-ken : so ist Europa auch nur ein Gedankenbild, daswir unS etwa nach der Lage seiner Lander, nach ih-rer Achnltchkcit, Gemeinschaft und Unterhandlungzusawmenordncn. Denken wir uns das einst oderjetzt katholische, oder überhaupt das christlicheEuropa: so ist auch in ihm nach Landern und
Situationen der Geist der Zeit sehr verschieden. Ge-ändert sich sogar mit Elasten der Einwohner, ge-schweige mit ihren Bedürfnissen, Neigungen undEinsichten. Ein einziger Umstand, eine vielleichtfalsche oder übertriebene Nachricht, kurz ein Windund Wahn stimmt oft die Denkart und Meynungeines ganzen Volkes.
Wenn also unser Freund vom Geist der Zeitenals einem verständigen, scharfen, klaren Wesen sprach :so kann er damit nur die Grundsätze und Meynun-gen der scharfsichtigsten, verständigstenMänner gcineynt haben. Sie machten sich vomWahne des Pöbels los, und lassen sich nicht nachjedem Winke lenken. So wenig ihrer hie und dase»n mögen; um so fester sind sie in sich selbst, umso standhafter hangen sie mit andern zusammen, undbilden allerdings eine Kette im Fortgänge der Zeiten.Das Lesen der Alten und Neuern, Gespräche undeine gemeinschaftliche Bemerkung dessen, was vor-gegangen ist und täglich vorgeht , binden sie fest undfester aneinander; sie machen wirklich eine unsichtbareKirche, auch wo sie nie von einander gehört haben.Diesen Gcmcingeist des aufgeklärten oder sich auf-klärenden Europa auszurottcn ist unmöglich; wozuwäre aber auch die unnütze Mühe? Je aufgeklärter