(Wir gingen auf eine angenehme Höhe, auf derdie zahlreichen Dörfer der ringsum liegenden Ebeneein angenehmer Anblick waren. Die Todtenglocken,die von den Landkirchlhürmen in der Entfernung tön-ten, machten eine sanftere Harmonie, und unser Ge-spräch knüpfte sich bald von neuem an.)
B. Woher glauben Sie denn, daß das unge-wöhnliche Schicksal Josephs gekommen sey? AlleDinge in der Welt haben ihre Ursache.
A. Wie mich dünkt, stand er dem großenFriedrich zu nahe; und es war Natur derSache —
B. Wie so zu nahe? Friedrich hat ihm dochnicht geschadet. Er hat ihm zu einem größer» Schle-sien, den Königreichen Gallizien und Ludomirien ge-holfen ; aus dem Bairischen Successionskriege gegenFriedrich kam Joseph auch mit fast unerwarteter Ehre.Ucberdcm hat Friedrich von ihm meistens sehr gün-stig geurlheilt, und der alte König glaubte wohlnicht, daß Joseph ihm so bald Nachfolgen würde.
A. So meyne ichs nicht. Denken Sie sich dieLebcnsgeschichte des Kaisers. Mit ihm als einemSäuglinge mußte seine Mutter nach Ungarn flüchtenund ihn als einen Gegenstand des Mitleidens denStänden zeigen; vor wem flüchtete sie? gegen wenerbat sie sich Mitleid und Beistand? Was war alsonatürlicher, als daß der Name Friedrichs dem Kindeund Jünglinge oft genannt werden mußte: denn ebenauch die Jahre, in denen der Geist des Menschenaufwacht, sielen bei Joseph in die Zeit des siebenjäh-rigen Krieges —
Herders Werke z. Phil. u. Gesch. X. U A<irarr,a. II.