3oo II. Briefe zu Beförderung
theile der Menschen sind zu Sclaven des ungereim-testen Fanatismus gebohren. Die Furcht vor Hölleund Teufel benebelt ihnen die Augen; sie verab-scheuen den Weisen, der ihnen Licht schaffen will.Der große Haufe unsres Geschlechtes ist dumm undboshaft. Umsonst suche ich in ihm das Bild der Gott-heit, das ihm, wie die Theologen sagen, ausgeprägtworden. Jeder Mensch hat ein wildes Thier in sich;wenige wissen es zu bändigen , die meisten lassen ihmden Zügel, wenn die Furcht der Gesetze sie nichtzurückhalt.
„Vielleicht findet ihr mich zu menschenfeindlich.Jc^ bin krank; ich leide; und habe mit einem Halb-dutzend *** und *** zu thun, die einen Sokratesund Antonin selbst außer Fassung bringen möchten.Ihr seyd glücklich, dem Rath des läandide zu fol-gen und euren Garten zu bauen; nicht Jederniannin der Welt kann es so gut baden. Der Ochs mußden Pflug ziehen, wie die Nachtigall singen, derDelphin schwimmen, und ich Krieg führen.
„Je mehr ich dies Handwerk treibe, desto mehrüberrede ich mich, daß das Glück die größeste Rolledabei spiele. Ich glaube nicht, daß ich es langetreiben werde; meine Gesundheit nimmt zusehendsab, und es kann leicht scyn, daß ich bald in dasLand wandre, wo Gram und Schmerz, wo unsreVergnügen und Hoffnungen uns nicht mehr folgen,wo man sich in dem Zustande findet, in dem manvor der Geburt war. Vielleicht belustigt Ihr euch