2r8 I. Unternehmungen d. vergang. Jahrhunderts
des Widerspruchs war dies der Fall nicht. Sobalder sein Ansehen gekränkt glaubte, hat man ihn oftin den lebhaftesten Unwillen auflodern sehen. Uebri-gens war es vollkommen wahr, was er von sich be-hauptete, es sei ihm nichts leichter, als Beleidigun-gen zu vergeben. Sobald der Beleidiger nachgab,war er entwafnet, und begegnete ihm nun mit dergrößesten Sanftmuth und Herzlichkeit."
„Gegen Ungläubige und Freidenker war er sehrintolerant und trieb die Verachtung derselbenbis zur Härte. — Für seine Person war er fürgewisse Lieblingsmeynungen so hartnäckigeingenommen, daß er, wenn davon die Rede war,nie untersuchen, sondern nur Recht behalten wollte.Oft hörte er nicht einmal die Gründe dagegen. Je-der Mensch, sagt man, habe sein Steckenpferd: dasseine war die Lehre von der Vollkommenheit.Wer ihm darin beistimmte, war sein Mann; werdaran zweifelte, fand eine kalte Ausnahme. So ent-standen P e rfe c t i o n i ste n und A n t i p e r fe c-tionisten. Uebrigens war Wes lei so gut alsandre Regenten mit Schmeichlern umgeben undgleich ihnen nahm auch Er oft den Weihrauch derSchmeichelei für reine Opfer der Wahrheit und Auf-richtigkeit an. Hang zum Regieren war einHauptzug in seinem Charakter; auch herrschte er inden letzten in bis r 5 Jahren wirklich ganz unum-schränkt. Sein Witte war Gesetz. Gab er ei-nen Beschluß auf, ließ er ein Lieblingsproject fahren,so war es weniger Wahl als Nvthwendigkcit. Wes-lei's Grundsatz von frühen Jahren an war: „ich
betrachte die ganze Welt als meine Gemeine; das