172 I. Unternehmungen d. vergang. Jahrhunderts
Lin da. Ein schönes Unternehmen! Alle An-liegen der Menschheit können, dürfen sich ein diesunsichtbare Institut wenden; cs denkt, essorgt für sie. Es Hilst, wo es helfen kann und manist niemanden Dank schuldig. Aus einer Wolkegleichsam kam die helfende Hand, und zog, che mansie gewahr ward, sich wieder zurück in die Wolke.Ich erinnere mich eines Romans, da ein hülfreichcrMönch so erschien; fast allgegenwärtig war er beijeder Verlegenheit da, blickte, den Knoten lösend,hinein, und verschwand wieder. Je fester sich derKnoten schürzte, desto pochender wünschte mein Herz:„ach, daß doch bald der Mönch käme! Wo mager jetzt scvn? Warum ist er nicht schon da?" Beikleinen Verlegenheiten meines Lebens habe ich mirzuweilen auch den Einblick des Mönchs gcwünschet;dann gab mir selbst das Andenken an ihn Entschlußund Hülfe. Es ist angenehm, sich eine geschlossene,das Wohl der Menschheit berathende, im Stillenwirkende Mannergeseil'chaft zu denken, denen ihrWeck gewissermaßen selbst ein Geheimni ß se»nmuß, daran sie wie an einem endlosen Plan ar-beiten.
Faust. Du suchest, Linda, warum dein Ge-schlecht von diesem berathenden und helfenden Bundeausgeschlossen seyn darf und se»n muß. Zuerst, weilIhr einer solchen Sonderung menschlicher und bür-gerlicher, Kirchen - und Skaatspflichtcn nicht bedürfet.Männer gehören dem Staat; ihrem Beruf und Stan-de, ihrer bürgerlichen Pflicht und Lebensart sind siemir so viel Banden und Rücksichten, in denen sichBlick und Herz verengt, umflochten, daß ihnen einekleine Losschüctelung dieser Bande, eine Erweitrung