„Aber, wird man sagen, auch der Dichterhat ein Ideal der Schönheit; ja warum sollte eSnicht jeder fcinorganisirte Mensch, jede feinorganistr-te Nation in sich haben?" — Warum nicht? wenneS erweckt, geläutert, ausgebildet worden; dieß hangtaber von mancherley Umstanden ab. Wo Wollustdie Weckcrin ist, wird die Idee des Schönen weibli-cher Gestalt sich selten rein ausbilden; sogar diefremdesten Reitze können als wesentliche Bestandthei-le in ihr Bild ausgenommen werden; Nasenringe,z, B. Schminke an Augenliedern, Wangen, Fingernu. dgl. Das gemeine, oft eigensinnige Costumedes Landes wird vom Liebhaber, wenn er einDichter ist, mit Begeisterung genannt und geprie-sen. Oder er halt sich an die schmachtenden Augen,an solche und solche Theile deS Körpers nach Dich-tersitte und nach Landesgebrauch.
Bey den Morgenlandern, aus denen unser Vf.Beschreibungen und Bilder sammlet, (Ebraer, Ara-ber, Perser,) finden sich gewisse Umstande, die dieIdee deS Schönen eben nicht zum Ideal gedeihenließen; waren es auch keine andre, als diesem
Erstlich. Die frühe Blüthc des weiblichenAlters. Sie macht das Kind zur Braut, und diefrühverblühetc zur Alten.
Zweytens. Die tiefere Unterordnung des weib-lichen unter das männliche Geschlecht. Sie machtdas Weib zum Zweck der Begierde, oder zum Zeit-vertreib des Mannes; da sie aber, zumal in derAbgeschlossenheit eines Harems, ihm gröfikcnkheils' Ee 2