großer und weiser Männer. 179
Hinter Kleists Gedichten findet sich ein kur-zes Trauerspiel, Seneka, in Prose, Auch andrehaben den Gegenstand bearbeitet, und Leßing hatihn, so wie den Tod des Nero bearbeiten wol-len. Schade , daß ers nicht gethan hat.
Kleists Trauerspiel ist sehr einfach: die Cha-raktere des Seneka und der Pompeja, (so heißthier seine Gemahlin) stehen fast unbeweglich da;der Knote wird ins Stück durch eine fremde Person,den Polybius, Scncka's Freund, der für ihn ster-ben will, nur hineingcwebet. Sollte nicht, selbstder Geschichte nach, eine vielseitigere, innigere Be-arbeitung dieses berühmten TodeS möglich seyn, dieunstreitig auch lehrreicher wäre?
Seneka nämlich war nicht Philosoph allein;er war Minister. Während der gepriesenen fünfglücklichen Regierungsjahre des Nero verwalteteer mit Burrhus das Reich; ja vorher schon hattedie Mutter Nero's, Agrippine seine Aurückberufungaus Sardinien zu ihren Absichten bewirkt; erward der Lehrer ihres Sohnes. Seitdem geschahenalle Handlungen Neros vor seinen Augen. Erwars, der dem jungen Kaiser die Trauerrede aufseinen Vorgänger Claudius machte, bei der sich,wie Tacitus sagt, niemand des Lachens enthaltenkonnte, und die Seneka nachher selbst durch dieApokolokyntosis bitter widerlegte. Er hattedie Rede gemacht, mit der Nero die Regierung an-trat, jene Rede, die ihrer vortrefflichen Grundsätzewegen in Erz gegraben ward, und an jedem Neu-jahrstage verlesen werden sollte. Er verfertigte die' M 2