232
Ideen zur Philosophie
der Humanität wird aufblühen zu ihrer wahren Ge-stalt, zu ihrer eigentlichen und ganzen Schönheit.
Und so können wir auch leicht ahnen, was ausunsrer Menschheit allein in jene Welt übergehenkann: cs ist eben diese gottabnliche Huma-nität, die »erschlossene Knospe der wahren Ge-stalt der Menschheit, Alles Nokhdürftige dieser Erdeist nur sür sie; wir lassen den Kalk unsrer Gebeineden Steinen, und geben den Elementen das Ihrigewieder. Alle sinnlichen Triebe, in denen wir, wiedie Thiere, der irdischen Haushaltung dienten, ha-ben ihr Werk vollbracht; sie sollten bey dem Men-schen die Veranlassung edlerer Gesinnungen und Be-mühungen werden, und damit ist ihr Werk vollen-det. Das Bedürfnis, der Nahrung sollte ihn zur Ar-beit , zur Gesellschaft, zum Gehorsam gegen Gesetzeund Einrichtung erwecken, und ihn unter ein heil-sames, der Erde unentbehrliches, Joch fesseln. DerTrieb der Geschlechter sollte Geselligkeit, väterli-che, eheliche, kindliche Liebe auch in die harte Brustdes Unmenschen pflanzen, und schwere, langwierigeBemühungen für sein Geschlecht ihm angenehm ma-chen , weil er sie ja für die Seinen, sür sein Fleischund Blut übernehme. Solche Absicht hakte die Na-tur bey allen Bedürfnissen der Erde; jedes derselbensollte eine Mütterhülle seyn, in der ein Keim derHumanität sproßte. Glücklich, wenn er gesproßt ist!er wird unter dem Strahl einer schönern SonneBlüthe werden, Wahrheit, Schönheit und Liebewaren das Ziel, nach dem der Mensch in jeder sei-ner Bemühungen, auch ihm selbst unbewußt undoft auf so Unrechten Wegen, strebte; das Labyrinthwird sich entwirren, die verführenden Zaubergestal-