Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 3 (1820) Ideen ; 1
Entstehung
Seite
227
Einzelbild herunterladen
 

der Geschichte der Menschheit. 227

daß die Schlüsse der Materialisten wie Nebel vor derSonne verschwinden werden. Ja wer von diesem in-nern Leben seines Selbst überzeugt ist, demwerden alle äußern Zustände, in welchen sich der Kör-per, wie alle Materie, unablässig verändert, mit derZeit nur Uebergänge, die sein Wesen nicht angehn;er schreitet aus dieser Welt in jene so unvermerkt,wie er aus Nacht in Tag und aus einem Lebensal-ter ins andre schreitet.

Jeden Tag hat uns der Schöpfer eine eigneErfahrung gegeben, wie wenig Alles in unsrer Ma-schine von uns und von einander unabtrennlich sey.Es ist des Todes Bruder, der balsamische Schlaf.Er scheidet die wichtigsten Verrichtungen unserS Le-bens mit dem Finger seiner sanften Berührung:Nerven und Muskeln ruhen, die sinnlichen Em-pfindungen hören auf; und dennoch denkt die Seelefort in ihrem eignen Lande. Sie ist nicht abge-

trennter-vom Körper, als sie wachend war, wie diedem Traum oft eingcmischten Empfindungen bewei-sen; und dennoch wirkt sie, nach eigenen Gesetzen,auch im tiefsten Schlafe fort, von dessen Traumenwir keine Erinnerung haben, wenn nicht ein plötzli-ches Erwecken uns davon überzeuget. Mehrere Per-sonen haben bemerkt, daß rhre Seele bey ruhigenTräumen sogar dieselbe Jdeenreihe, unterschiedenvom wachenden Zustande, unverrückt fortsetze, undimmer in Einer, meistens jugendlichen, lebhaftenund schönem Welt wandle. Die Empfindungen desTraums sind uns lebhafter, seine Affekten feuriger,die Verbindungen der Gedanken und Möglichkeitenin ihm werden leichter, unser Blick ist heiterer, dasLicht, das uns umglanzt, ist schöner. Wenn wir

P 2