2iü Ideen zur Philosophie
Worauf beruhet die Kunst des Arztes, alseine Dienerin der Natur zu seon, und den tausend-fach arbeitenden Kräften unsrer Organisation zuHülfe zu eilen? Verlorne Kräfte ersetzt sie, mattestärkt, überwiegende schwächt und bändigt sie; wo-durch ? durch Hcrbeyführung und Assimilation sol-cher oder entgegengesetzter Kräfte aus den nie-der» Reichen.
Nichts anders sagt uns die Erzeugung allerlebendigen Wesen: denn so tief ibr Geheimnis; liege,so ist'» offenbar, daß organische Kräfte im Ge-schöpfe zur größcstcn Wirksamkeit aufblühten und jetztzu neuen Bildungen streben. Da jeder Organis-mus das Vermögen hat, niedere Kräfte sich selbstzu assimiliren, so hat er auch das Vermögen, sich,gestärkt durch jene, in der Blüthe des Lebens fort-zubildcn und den Abdruck seiner selbst mit allen inihm wirkenden Kräften an seiner Statt der Weltzu geben.
So gehet der Stufengang der Ausarbeitungdurch die niedrige Natur, und sollte er bey der edel-sten und mächtigsten still stehen oder zurückgehenmüssen? Was das Thier zu seiner Nahrung be-darf, sind yur pflanzenartige Kräfte, damit es pflan-zcnartige Theile belebe; der Saft der -Muskeln undNerven dient nicht mehr zur Nahrung irgend einesErdwescns. Selbst das Blut ist nur Naubthiereneine Erquickung; und den Nationen, die durch Lei-denschaft oder Nothdurft dazu gezwungen wurden,hat man auch Neigungen des Thiers bemerket, zudessen lebendiger Speise sie sich grausam Erschlossen.Also ist das Reich der Gedanken und Reitze, wie