2i2 Ideen zur Philosophie
Und so wird, dünkt mich, die Nichtigkeit derSchlüsse sichtbar, mit denen die Moralisten unsreUnsterblichkeit niedergcworfen zu haben meynen. Las-set es seyn, daß wir unsre Seele als einen reinenGeist nicht kennen; wir wollen sie auch als solchen'nicht kennen lernen. Lasset es seyn, daß sie nurals eine organische Kraft wirke; sie soll auch nichtanders wirken dürfen, ja, ich setze noch dazu, sie-hac erst in diesem ihrem Zustande mit einem mensch-lichen Gehirne denken, mit menschlichen Nerven em-pfinden gelernt, und sich einige Vernunft und Hu-manität angebildet. Lasset cs endlich seyn, daß siemit allen Kräften der Materie, des Reitzes, der Be-wegung, des Lebens ursprünglich Eins fcy, und nurauf einer hohem Stufe in einer ausgebildctcm fei-nem Organisation wirke; hat man denn je auch nureine Kraft der Bewegung und des Reitzes untcrgchensehen? und sind diese niedern Kräfte mit ihren Or-ganen Eins und dasselbe? Der nun eine unzähl-bare Menge derselben in meinen Körper führte, undjeder ihr Gebilde anwies, der meine Seele über siesetzte, und ihr ihre Kunstwerkstatte und an den Ner-ven die Bande anwies, dadurch sie alle jene Kräftelenket: wird ihm im großen Zusammenhänge derNatur ein Medium fehlen, sie hinaus zu führen?Und muß er es nicht thun, da er sie eben so wun-derbar, offenbar zu einer hohem Bildung, in diesorganische Haus führte?