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Ideen zur Philosophie
so schweiften wir auch in unfern Handlungen in re-gellosen Krümmen einher, und daS menschliche Lebenbatte weder Vernunft noch Zweck. Das Gesetz derBilligkeit und Wahrheit macht treue Gesellen undBrüder: ja wenn es Platz gewinnt, macht cs
ans Feinden selbst Freunde. Den ich an meineBrust drücke, drückt auch mich an seine Brust;für den ich mein Leben aufcpserc, der opfert cs auch,für mich auf. Gleichförmigkeit der Gesinnungen al-so, Einheit des Zwecks bey verschiedenen Menschen,gleichförmige Treue bei) Einem Bunde hat allesMenschen- Völker- und Thier recht gestif-tet: denn auch Thicre, die in Gesellschaft leben, be-folgen der Billigkeit Gesetz, und Menschen, die durchList oder Starke davon weichen, sind die inhuman-sten Geschöpft, wenn es auch Könige und Monar-chen der Welt waren. Ohne strenge Billigkeit undWahrheit ist keine Vernunft, keine Humanitätdenkbar.
6. Die aufrechte und schöne Gestalt des Men-schen bildete denselben zur Wo h lan s tan d i g kei t:denn diese ist der Wahrheit und Billigkeit schöneDienerin und Freundin. Wohlanstandigkeit desKörpers ist, daß er stehe, wie er soll, wie ihn Gottgemacht hat; wahre Schönheit ist nichts, als dieangenchme Form der inner» Vollkommenheit undGesundheit. Man denke sich das Gottesgebilde desMenschen durch Nachlässigkeit und falsche Kunst ver-unziert: das schöne Haar ausgerifsen oder in Klum-pen verwandelt, Nase und Ohr durchbohrt und her-ab gezwungen, den Hals und die übrigen Theile desKörpers an sich selbst oder durch Kleider verderbet;man denke sich dies, und wer wird, selbst wenn
die